Reiseführer

Lesetipps für Entdecker: Wir haben für Sie historische Reiseführer durch Ost-Berlin unter die Lupe genommen.

von Jens Kraushaar

Titelbild des Reiseführers Berlin für junge Leute
Reiseführer „Berlin für junge Leute“ © Stadtmuseum Berlin | Reproduktion: Jens Kraushaar

Berlin für junge Leute (1983)

Die 80er-Jahre-Typo sticht sofort ins Auge: Speziell auf die junge Generation ausgerichtet, widmet sich der westdeutsche Reiseführer mit einem Kapitel Ost-Berlin. Neben allgemeinen Infos („Wie kommt man rüber“) steht vor allen Dingen das museale Angebot im Vordergrund. Es findet sich aber auch eine Seite über die Ausflugsziele im Grünen (Tierpark, Treptower Park und Müggelsee).

Das Besondere: Neben der witzigen Aufmachung des Reiseführes beinhaltet er zwei Postkarten zum Heraustrennen.

Titelbild des Reiseführers Berlin von sieben bis sieben
Reiseführer „Berlin von 7 bis 7“ © Stadtmuseum Berlin | Reproduktion: Jens Kraushaar

Berlin von 7 bis 7 (1984/85)

Dieser Freizeit-Führer durch „eine außergewöhnliche Stadt“, der in Hamburg für Reisende aus Westdeutschland publiziert wurde, nimmt Berlin als pulsierende Großstadt ins Visier, die „von 7 bis 7“ Uhr immer etwas zu bieten hat. Der Ost-Berlin-Teil widmet sich den wichtigsten Betrieben, den großen Sehenswürdigkeiten und den natürlichen Gegebenheiten in der Hauptstadt der DDR. Was man dabei lernen kann: In Ost-Berlin sollte man mit einem eher osteuropäischem Getränkeangebot (Wodka) rechnen. Interessant ist auch, wie die westdeutsche Perspektive auf die Ost-Berliner Szene die wenigen Angebote für Twens und über Dreißigjährige bemängelt. Den Autoren fehlte es anscheinend an Diskotheken mit modisch buntem, individuellemPublikum. Ebenso wird der Diskjockey in Ost-Berlin vermisst.

Das Besondere: Hier findet man alles rund um das Thema „Ausgehen“. Vielleicht findet die eine oder der andere ein altes Lieblingslokal wieder?

Titelbild des Reiseführers Berlin zu Fuß
Reiseführer „Berlin zu Fuß“ © Stadtmuseum Berlin | Reproduktion: Jens Kraushaar

Berlin zu Fuß. 13 Wanderungen in West- und Ost-Berlin (1973)

Dieser kleine Reiseführer lädt dazu ein, Ost-Berlin zu Fuß zu erkunden. Die Friedrichstraße und Unter den Linden werden ebenso vorgestellt wie die Museumsinsel, der Marx-Engels-Platz und der Alexanderplatz. Eine Skizze der Innenstadt soll bei der Orientierung helfen.

Das Besondere: Es macht Spaß mit diesem alten Reiseführer ohne Smartphone die Stadt zu erkunden. Im Vergleich mit heute stellen sich beim Lesen Fragen: Welche Gebäude stehen noch? Wie hat sich die Stadt verändert?

Titelbild des Reiseführers Berlin, Hauptstadt der DDR
Reiseführer „Berlin. Hauptstadt der DDR“ © Stadtmuseum Berlin | Reproduktion: Jens Kraushaar

Berlin. Hauptstadt der DDR (1975)

Der in sechs Sprachen veröffentlichte Stadtführer aus der DDR betont die Internationalität der Hauptstadt und lädt dazu ein, die Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Das Büchlein gibt als Bildband (teils schwarz-weiß, teils in Farbe) einen Eindruck von der Stadt in den 1970er Jahren.

Das Besondere: Die abgebildeten Menschen auf den Fotos geben einen herrlichen Eindruck von der Mode der DDR-Haupststädter. Diese Frisuren!

Titelbild des Reiseführers Ost-Berliner Anssichtssachen, die halbe Hauptstadt
Reiseführer „Ost-Berliner Ansichtssachen. Die halbe Hauptstadt“ © Stadtmuseum Berlin | Reproduktion: Jens Kraushaar

Ost-Berliner Ansichtssachen. Die halbe Hauptstadt (1987)

Der Stadtführer, der unserer Ausstellung den Untertitel gegeben hat! Christa Mörstedt-Jauer hat hier in den spätern 1980ern einen sehr humorvollen und informativen City-Guide entworfen, der unter anderem einen subjektiven Einblick in das Alltagsleben Ost-Berlins und seiner Menschen gibt. Wer noch nicht weiß, was „Spee“ ist, sollte einen Blick ins Buch werfen!

Das Besondere: Den Stadtführer gab es zweigeteilt im Doppelpack. Den ersten Teil im blauen Einband konnte man getrost mit nach Ost-Berlin nehmen. Vom Mitführen des zweiten Teils im roten Einband wurde allerdings abgeraten. Zu kritisch konnten den Grenzbeamten die Aussagen über Politik, Geschichte und Alltag der DDR erscheinen – mit Beschlagnahme als möglicher Folge.

Titelbild des Reiseführers halb Berlin und ganz die Hauptstadt
Reiseführer „Halb Berlin und ganz die Hauptstadt“ © Stadtmuseum Berlin | Reproduktion: Jens Kraushaar

Halb Berlin und ganz die Hauptstadt. Berlin (DDR). Ein Reiseführer. (1987)

Der vom Stattbuch Verlag herausgegebene Reiseführer bietet viel, und das auf ungewöhnliche Weise. Ost-Berlin wird hier von der sage und schreibe 26-köpfigen Redaktion „Arbeitsgruppe Halb Berlin…“ vorgestellt. Unterteilt ist das Buch in die neun Stadtbezirke der Hauptstadt der DDR. So lernt man einerseits etwas über das Werden der Stadt, über ihre Bezirke, wichtige Bauten und erhällt andererseits subjektive Eindrücke aus ganz verschiedenen Perspektiven.

Das Besondere: Die Artikel sind mit Schwarz-weiß-Bildern von Größen der Ost-Berliner Fotografie illustriert. Neben wunderbaren Aufnahmen von Barbara Metselaar-Berthold finden sich auch etliche Fotografien von Harald Hauswald.