Straßenbahnen – ein Symbol für das geteilte Berlin?

Das geteilte Berlin ist noch im heutigen Stadtbild zu erkennen – aber wie? Die gelben „Trams“ sind im heutigen Berliner Stadtbild kaum zu übersehen und sie gehören heute zum weltweit drittgrößten Straßenbahnnetzwerk der Welt. Dieser Superlativ passt zur Weltstadt Berlin und den dazugehörigen internationalen Bewohner*innen. 

Tram in Berlin, 01.02.2007 © CC0 1.0 | Foto: AlfvanBeem
Tram in Berlin, 01.02.2007 © CC0 1.0 | Foto: AlfvanBeem

Aber wer von den Berliner*innen und Berlin-Besucher*innen weiß eigentlich, dass die Straßenbahnen noch heute ein Symbol für das ehemals geteilte Berlin sind? Denn mit der Teilung der Stadt wurde auch die 1929 gegründete Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) geteilt. Somit entstand am 1. August 1949 die BVG-Ost mit 13 Straßenbahnlinien im sowjetischen Sektor und die BVG-West mit 36 Straßenbahnlinien in den drei Westsektoren der Stadt. Ab 1954 gab es bei der BVG-West eine Änderung in der Verkehrspolitik, weshalb der bestehende Straßenbahnverkehr nach und nach durch eine Erweiterung der U-Bahn- und Omnibusstrecken ersetzt wurde. Denn die Vorbilder für West-Berlin waren straßenbahnfreie Metropolen wie Paris oder London. Und somit wird auch deutlich, wieso die heutigen Straßenbahnen immer noch an das geteilte Berlin erinnern. Denn nur im ehemaligen Ostteil der Stadt gibt es auch heute noch die Straßenbahnen, mit Ausnahme von drei nach der Wiedervereinigung gebauten Strecken.

Ein Fahrschein der Berliner Verkehrsbetriebe Ost (1985), August 1985 © CC-by-sa 3.0/de | Foto: KarleHorn
Ein Fahrschein der Berliner Verkehrsbetriebe Ost (1985), August 1985 © CC-by-sa 3.0/de | Foto: KarleHorn

Für Ost-Berlin war Moskaus Stadtbild ein Vorbild, auch dort waren die öffentlichen Räume straßenbahnfrei. Für Ost-Berlin gab es ähnliche Pläne, jedoch wurden beispielsweise in den 1970er Jahren die neu entstandenen Großsiedlungen Marzahn und Hohenschönhausen durch neue Straßenbahnstrecken an das Stadtzentrum angeschlossen. Zum Erhalt der Straßenbahnen in Ost-Berlin trug auch die Energiepolitik einen Großteil bei. Denn das Erdöl, welches die DDR vor der Erdölkrise zum Vorzugspreis aus der Sowjetunion erhielt, stieg danach enorm im Preis. Dadurch erhielten die durch heimische Energieträger angetriebenen Straßenbahnen die wichtigste Rolle im innerstädtischen Verkehr.

Nach der Wiedervereinigung fusionierten 1992 auch die beiden Verkehrsbetriebe der Stadt und nennen sich seitdem Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).
 

Straßenbahn in Berlin, 23.04.2017 © & Foto: Pola van den Hövel
Straßenbahn in Berlin, 23.04.2017 © & Foto: Pola van den Hövel

Die Geschichte der Straßenbahn in der deutschen Hauptstadt begann übrigens schon 1865 durch das Betreiben einer Pferdebahn vom Brandenburger Tor bis nach Charlottenburg. Und weniger als 20 Jahre später (1881) fuhr die weltweit erste elektrische Straßenbahn in Groß-Lichterfelde. Berlin war also schon immer Vorreiterin im Straßenbahnverkehr, denn auch heute sind die Straßenbahnen nicht aus dem Stadtbild wegzudenken.