Pferdebahn – Straßenbahn – Metrotram: eine Zeitreise auf Schienen

Blick in die Klement-Gottwald-Allee mit Straßenbahnen, Weißensee um 1990 © Archiv des Museums Pankow | Foto: Peter Noppens

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts prägen Pferdeeisenbahnen die Infrastruktur Berlins und der umliegenden Ortschaften. Bereits im selben Jahrhundert entstehen die ersten Straßenbahngesellschaften.

Die erste Straßenbahngesellschaft von Berlin wird im Jahr 1865 gegründet und heißt Berliner Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft. Auf die ersten Straßenbahngesellschaften folgen sehr schnell die ersten unabhängigen Gesellschaften. Die Neue Berliner Pferdebahn, eine der unabhängigen Gesellschaften, wird 1873 gegründet und erschließt sämtliche östliche Vororte Berlins, darunter Weißensee und Lichtenberg. Der Anteil der Neuen Berliner Pferdebahn im Nahverkehr beträgt über 50 Prozent. Des Weiteren entstehen Straßenbahnnetze, die später während des Zweiten Weltkrieges wieder zerstört werden. Der städtischen Berliner Verkehrs-AG (BVG) gelingt es, einen Großteil der Netze wiederherzustellen. Mit der Teilung Berlins kommt es zu erheblichen Folgen sowohl für die Straßenbahn, als auch für die BVG. Die BVG wird geteilt und es entsteht eine eigene Verwaltung für den Ostteil Berlins.

Historische Postkarte. Schönhauser Allee mit Pferdebahnen, Ecke Metzer Straße mit sogenanntem Judengang
Historische Postkarte. Schönhauser Allee mit Pferdebahnen, Ecke Metzer Straße mit sogenanntem Judengang, um 1902 © Archiv des Museums Pankow

Die Straßenbahn ‒ ein wichtiges und historisches Verkehrsmittel

Die Geschichte der Straßenbahn beginnt etwa um 1865. Seit dem 1. Januar 1877 fährt bereits die erste Pferdebahn zwischen Alexanderplatz und dem Schloss Weißensee. Schon im September 1892 fährt eine weitere Linie zwischen Antonplatz und dem Berliner Molkenmarkt. Auf dem Dreieck zwischen der Große-See-Straße, der Rennbahnstraße und der Parkstraße befindet sich das Depot der Pferdebahnen, wo auch die Pferde in ihren Ställen untergebracht werden.

Mit der Pferdebahn entstehen ebenfalls die ersten Droschken. Eine Droschke ist ein nobleres Gefährt als die Pferdebahn und wird damals häufig von der gehobeneren Gesellschaftsschicht genutzt. Auch Fiaker genannt, wird sie ebenfalls von Pferden gezogen. Ungefähr fünf Personen können mit einer Droschke kutschiert werden. Man unterscheidet die Fiaker von der Kraftdroschke, welche von einem Motor gezogen, aber dennoch von einem Kutscher gelenkt wird. Während eine Pferdebahn nur an vorgesehenen Stationen hält, kann man die Droschke mit Handzeichen anhalten. Noch bevor die letzte Pferdebahn abgeschafft wird, fahren in Berlin ab 1886 die ersten Dampf-Straßenbahnen, gefolgt von Benzol-Straßenbahnen ab etwa 1912.

Die Entwicklung der Strecke der heutigen Tram M4

Die Straßenbahn M4 verläuft heute vom Hackeschen Markt bis nach Falkensee und Hohenschönhausen. Sie prägt die Geschichte der Greifswalder Straße wie kein anderes Verkehrsmittel. Da die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin ein weites Netz haben, wurde in der Vergangenheit bereits einige Male überlegt, ob die Straßenbahn durch eine U-Bahn-Linie ersetzt werden soll. Dieser Plan wurde bis heute nie umgesetzt.

Chronologisch betrachtet, ist das erste Transportmittel auf der Strecke die Pferdebahn. Sie fährt damals vom Alexanderplatz bis hin zum Weißen See und nennt sich „Linie 62‟ (DSG, 1986). Auch die Droschke, die mit dem heutigen Tai zu vergleichen ist, fährt damals dieselbe Strecke (Straube, 1888). Für die Droschke gibt es eine Droschkenmarke, die als Fahrschein dient. Sie ist ungefähr so groß wie das heutige 1-Cent-Stück und eckig mit abgerundeten Kanten. Eine Fahrt mit der Droschke kostet für 15 Minuten und ein bis zwei Personen eine Mark. Für drei bis vier Personen kostet die 15-minütige Fahrt 1,50 Mark. Der Schaffner einer Pferdebahn und einer Droschke wird damals als Konjunkteur bezeichnet.

Um 1929 heißt die Strecke vom Alexanderplatz über die Greifswalder Straße und Berliner Allee hin zum Weißen See immer noch „Linie 62‟ (BVG, 1929). Auch zehn Jahre später bleibt dies unverändert (BVG, 1939).

Neubaugebiet Greifswalder Straße - Blick auf die Kreuzung Greifswalder und Storkower Straße mit Straßenbahnhaltestelle, um 1979
Neubaugebiet Greifswalder Straße - Blick auf die Kreuzung Greifswalder und Storkower Straße mit Straßenbahnhaltestelle, um 1979 © Archiv des Museums Pankow

Eine elektrische Straßenbahn, die Linie 24, fährt um 1977 vom Hackeschen Markt bis zum Weißen See (VEB Tourist Verlag, 1977). Für den Nachtverkehr gibt es damals für die Strecke Alexanderplatz nach Hohenschönhausen eine Straßenbahnlinie 113 (VEB Tourist Verlag, 1986). Vom Alexanderplatz aus fahren zu dieser Zeit noch keine Straßenbahnen. Bereits Ende der 1980er Jahre verkehrt die Linie 58 über die Strecke, die wir heute als Linie M4 kennen. Ende der 1990er Jahre fährt die Linie 58 das letzte Mal unter dieser Bezeichnung.

Straßenbahn vor der S-Bahn-Brücke Greifswalder Straße, um 1980 © Landesarchiv Berlin | Foto: Dieter Breitenborn
Neubau des Bahnhofs Greifswalder Straße, um 1980 © Landesarchiv Berlin | Foto: Dieter Breitenborn
Straßenbahn in der Klement-Gottwald-Allee, um 1980 © Landesarchiv Berlin | Foto: Dieter Breitenborn

Im Sommer 2004 gibt die BVG bekannt, dass Fahrgäste ab Ende des gleichen Jahres auf 15 Bus- und Straßenbahnlinien keinen Fahrplan mehr benötigen. Die ausgewählten Straßenbahnen fahren seitdem im Fünf-Minuten-Takt, darunter die M4.

Im Mai 2005 wird bei einer nächtlichen Fahrt eine Straßenbahn getestet, die länger und breiter als die übliche Straßenbahn ist. Sie ähnelt einem Bus, fährt aber auf Schienen. Sie verkehrt noch weitere 15 Tage auf der Linie M4, jeweils zwischen 10 und 17 Uhr. Der Plan, die alten Straßenbahnen durch diese Neue zu ersetzen, wird jedoch nie umgesetzt.

Die Tram M4/Metro-Linie

Verkehrs- und Stadtplaner sind ständig damit beschäftigt, den Straßen- und Schienenverkehr Berlins effektiver zu gestalten. Mit der Straßenbahnlinie M4 wird der älteste Streckenverlauf in beide Richtungen (Endstationen) verlängert. Zunächst ist es die Strecke zwischen Berlin-Alexanderplatz und dem Vorort Weißensee (heute Parkanlage Weißensee), die seit mehr als 100 Jahren gleich verlaufend befahren wird.

Der geradlinige Schienenverlauf garantiert ein zügiges Fahren der Bahn zwischen den Endstationen. Hierbei wird immer darauf geachtet, den Personentransport (Wohnort-Arbeitsstätte-Wohnort) in einem möglichst hohen Takt zu gewährleisten. Später werden auch die Umsteigemöglichkeiten von Straßenbahnlinien, S-Bahn, Bus und U-Bahn beachtet. Diese Überlegungen werden ebenfalls bei der Planung der neuen Wohngebiete an der Greifswalder Straße in den 1970er und 1980er Jahren (Thälmannpark, Wohngebiet Thomas-Mann-Straße, Marzahn-Hellersdorf, Hohenschönhausen) als sehr wichtig erkannt.

Straßenbahnhaltestelle Dimitroffstraße /Greifswalder Straße mit Ernst-Thälmann-Park, Prenzlauer Berg um 1986 © Archiv des Museums Pankow
Gleisrekonstruktion in der Klement-Gottwald-Allee, Weißensee um 1988 © Archiv des Museums Pankow
Rekonstruktion der Verkehrsanlagen in der Klement-Gottwald-Allee. Vorsortierungsanlage südlich Buschallee, Weißensee um 1988 © Archiv des Museums Pankow

Ein möglichst geradliniger Schienenverlauf zwischen der Endstation Hackescher Markt (Wendeschleife mit Abstellgleisen) und der Endstation Zingster Straße/Hohenschönhausen sowie der Endhaltestelle Falkenberg gewährleistet ein schnelles Fahrtempo und eine enge Taktfolge. Im Berufsverkehr beträgt die höchste Taktfolge etwa vier Minuten. Somit können effektiv täglich tausende Personen befördert werden.

Der Mauerfall am 9. November 1989 und die Zusammenführung Ost- und West-Berlins bringt für den kompletten Berliner Nahverkehr neue Herausforderungen. Arbeits- und Wohnstätten sind nun auf das ganze Stadtgebiet Berlins verteilt. Die M4 verbindet heute die östlichen und nordöstlichen Wohngebiete mit dem Stadtzentrum.


Die Autorin Lisa Marie ist Schülerin der 12. Klasse am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium in Berlin und nahm am Kooperationsprojekt „Greifswalder Straße“ teil.
Im Rahmen des Projekts übernahm sie die Themen „Straßenbahnen in Ost-Berlin‟ und „Kontinuitäten im Wandel‟, konkret die Neuaufnahme des historischen Panoramas der Greifswalder Straße. Zusammen mit einigen Mitschülern und Mitschülerinnen filmte sie außerdem eine Straßenbahnfahrt mit der Linie M4. Das Video nimmt Sie mit auf eine Erkundungsfahrt durch Berlin und lässt, neben dem Videomaterial einer Tramfahrt von 1990 auf der gleichen Strecke, Veränderungen des Stadtbildes sichtbar werden. Zu den Schienenfahrten geht es hier entlang!

Quellen

  • BVG: Das Kundenmagazin, 2005.
  • BVG: Liniennetz, Berlin 1929.
  • BVG: Liniennetz der Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG), Berlin 1939.
  • Deutsche Schillergesellschaft (DSG): Stadtplan Berlin um 1884, Marbach am Neckar 1986.
  • O. V.: Grünes Licht für die Metrolinien der BVG, in: Berliner Zeitung (19.07.2004).
  • Straube, Julius: Droschken-Wegemesser, Berlin 1888.
  • VEB Tourist Verlag: Stadtplan, Berlin 1977.
  • VEB Tourist Verlag: Stadtplan, Berlin 1986.