Mein Ost-Berlin: Werbefotografien

Werbefoto für den Wartburg 311, aufgenommen in im Vigelandpark in Oslo, um 1956
Werbefoto für den Wartburg 311, aufgenommen im Vigelandpark in Oslo, um 1956 © Deutsches Historisches Museum

Das Anfertigen von Farbfotografien wie dieser gehörte zu meinem beruflichen Alltag in Ost-Berlin. Nachdem ich 1955 meine Lehre als Laborantin und einen Lehrgang abgeschlossen hatte, arbeitete ich in der Werbeabteilung des Außenhandelsbetriebs Transportmaschinen. Mein Arbeitsplatz befand sich an der Ecke Mohrenstraße/Chausseestraße in Mitte.

Dort fertigte ich die Fotos an, insbesondere von den PKW „Trabant“ und „Wartburg“, aber auch von Motorrädern, Landmaschinen und Zügen, die für den Export ins Ausland bestimmt waren. Die Negative stammten von unseren Vertretern im „Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“, darunter Norwegen, Schweden, Finnland, Österreich, Belgien sowie einige afrikanische Staaten. Aber auch in Ost-Berlin entstanden Fotos, so etwa in der Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee). Die fertiggestellten Farbfotos wurden schließlich wieder an die Vertreter zurückgeschickt und für Werbezwecke genutzt.

Werbefoto für den Wartburg 311, aufgenommen in Oslo, um 1956 © Deutsches Historisches Museum
Werbefoto für den P70, aufgenommen in Österreich, um 1956 © Deutsches Historisches Museum
Werbefoto für das MZ-Motorrad ES 250/0 vor dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, 1956/1959 © Deutsches Historisches Museum
Werbefoto für das MZ-Motorrad ES 250/0, aufgenommen an der Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee) in Ost-Berlin, um 1956 © Deutsches Historisches Museum

1960 verließ ich den Außenhandelsbetrieb. Grund dafür waren die schlechten Arbeitsbedingungen: Die Geräte waren veraltet und Gesundheitsschutz existierte praktisch nicht. Dennoch hatte ich eine spannende Zeit im Farblabor der Werbeabteilung. Denn obwohl ich in den 1950er Jahren nur wenig Berufserfahrung mitbrachte, durfte ich in einem Bereich arbeiten, der wesentlich zum Erfolg des Exports beitrug. Bis heute besuche ich als Zeitzeugin Schulen und Universitäten und erzähle von meinen Erfahrungen in Ost-Berlin.

Marianne Wachtmann in ihrem Garten, 2019
Marianne Wachtmann in ihrem Garten, 2019 © Marianne Wachtmann

Mein Ost-Berlin

Wie viele Erinnerungen und Anekdoten stecken in einer Stadt? Privatpersonen, Sammler und Beschäftigte der Berliner Bezirksmuseen präsentierten in der Ausstellung oder auf dem OstBlogBerlin jeweils ein Objekt, mit dem sie eine besondere Erinnerung an Ost-Berlin verbinden. Jeden Monat kamen neue Objekte und ihre Geschichten hinzu. So entstand ein buntes, facettenreiches Bild der Stadt – eine im Laufe der Ausstellung gewachsene Collage an Erinnerungen.