Mein Ost-Berlin: Touristenfahrkarte

Touristenfahrkarte für den Aufenthalt in Ost-Berlin
Touristenfahrkarte für den Aufenthalt in Ost-Berlin © & Foto: Daniel Reuter

Es war ein sonniger Tag, als ich damals den Osten Berlins besuchte. Ich selbst lebte nicht in der DDR, sondern in der Schweiz, meine Verwandtschaft väterlicherseits aber war im Erzgebirge in Sachsen zuhause.

Am 24. Juli 1980 fuhr ich mit dem „Städte-Express“ der Deutschen Reichsbahn (DR) von Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) bis Berlin-Lichtenberg. Dort erwarb ich diese Tageskarte, um die Stadt erkunden zu können. Sie kostete nur eine Mark der DDR! Für den Gebrauch wurde empfohlen, sie zu falten und beim Passieren der Sperren und bei Kontrollen zu zeigen.

Interessant ist vor allem der Aufdruck „Gültig im S-Bahn-Bereich der Hauptstadt der DDR, Berlin, bis zu den Bahnhöfen Bln.-Buch, Ahrensfelde, Bln.-Mahlsdorf, Wilhelmshagen, Spindlersfeld, Bln.-Grünau und Zentralflugghafen, Bln.-Schönefeld“, wonach das Gebiet der „Hauptstadt der DDR“ während eines Tagesaufenthaltes nicht verlassen werden durfte. Ich hätte das damals tun können, weil ich ein Visum besaß, das für das ganze Gebiet der DDR gültig war. Wer aber ohne eine solche Berechtigung mit der S-Bahn über die Grenzübergangsstelle Bahnhof Friedrichstraße für einen Tagesaufenthalt „einreiste“, war gut beraten, sich an diese Stadtgrenze zu halten.

Den Fahrschein habe ich behalten, da er für mich ein Zeugnis einer absurden politischen Situation war. So wurde im Stadtplan, den ich damals auch gekauft hatte, der westliche Teil Berlins als „Wüste“ dargestellt. Doch nur etwas mehr als neun Jahre später war die kommunistische Diktatur beendet.

Vorder- und Rückseite der Touristenfahrkarte in ungefalteter Form © & Foto: Daniel Reuter
Daniel Reuter © Daniel Reuter

Mein Ost-Berlin

Wie viele Erinnerungen und Anekdoten stecken in einer Stadt? Privatpersonen, Sammler und Beschäftigte der Berliner Bezirksmuseen präsentieren in der Ausstellung und im OstBlogBerlin jeweils ein Objekt, mit dem sie eine besondere Erinnerung an Ost-Berlin verbinden. Jeden Monat kamen neue Objekte und ihre Geschichten hinzu. So entstand ein buntes, facettenreiches Bild der Stadt – eine im Laufe der Ausstellung gewachsene Collage an Erinnerungen.