Mein Ost-Berlin: Pferde-Schweife

Carola Timm mit den Schweifen der beiden Pferde Beule und Anita (im Bild ganz links, gemeinsam mit Murre in der Wörtherstraße/Ecke Kollwitzstraße, 1981)
Carola Timm mit den Schweifen der beiden Pferde Beule und Anita (im Bild ganz links, gemeinsam mit Murre in der Wörtherstraße/Ecke Kollwitzstraße, 1981) © Carola Timm

Mit diesen beiden Schweifen verbinde ich meine letzten haarigen Erinnerungen an zwei Pferde, die in der Kollwitzstraße 74 lebten und arbeiteten. In dieser Straße in Ost-Berlin, genauer in Prenzlauer Berg, war ich von 1986 bis 1991 beim Pferdefuhrbetrieb „Lohrey“ angestellt. Die beiden Pferde, deren Schweife ich zu meiner Erinnerung abschnitt und aufhob, haben mit mir die Straßen von Prenzlauer Berg gesäubert und in unzähligen Fuhren Schutt und Sperrmüll zur Kippe des VEB Baureparaturen Berlin-Mitte gezogen. Der Schimmel, ein Wallach, hieß Beule und die Rappin, eine Stute, hieß Anita.

Beule und Emil in der Kollwitzstraße beim Aufladen von Schutt bei klirrender Kälte
Beule und Emil in der Kollwitzstraße beim Aufladen von Schutt bei klirrender Kälte © Carola Timm

Es kam selten vor, dass die beiden zusammen vor den Wagen gespannt wurden, aber wenn dem so war, harmonierten sie gut. Soweit mir bekannt ist, waren wir das letzte Fuhrunternehmen mit Pferden in Prenzlauer Berg, das die Wende miterlebte. Der Bezirk hat sich mittlerweile von einem Arbeiterbezirk zu einem familienfreundlichen Kiez mit vielen jungen Eltern und teilweise anspruchsvollen Geschäften, Cafes, Bars und Restaurants verändert. Neumieter müssen schon gut bei Kasse sein, um sich hier eine Wohnung leisten zu können.

Die Geschichte der Kollwitzstraße 74 wird auf einer anschaulichen Tafel erzählt, die im Durchgang des Hauses angebracht ist und auch heute noch besichtigt werden kann.

Danziger Straße heute
Danziger Straße heute © Carola Timm
Toreinfahrt des ehemaligen Betriebs heute
Toreinfahrt des ehemaligen Betriebs heute © Carola Timm

Mein Ost-Berlin

Wie viele Erinnerungen und Anekdoten stecken in einer Stadt? Privatpersonen, Sammler und Beschäftigte der Berliner Bezirksmuseen präsentieren in der Ausstellung und im OstBlogBerlin jeweils ein Objekt, mit dem sie eine besondere Erinnerung an Ost-Berlin verbinden. Jeden Monat kamen neue Objekte und ihre Geschichten hinzu. So entstand ein buntes, facettenreiches Bild der Stadt – eine im Laufe der Ausstellung gewachsene Collage an Erinnerungen.