Mein Ost-Berlin: Lenin-Ausgabe

Cover der Lenin-Ausgabe von 1984
Cover der Lenin-Ausgabe von 1984 © & Foto: Daniel Bosch

Welche 18-Jährige liest freiwillig Lenin? Und warum deckt sich nicht nur eine Schülerin, sondern gleich eine ganze Gruppe Heranwachsender aus dem Münsterland mit marxistisch-leninistischer Grundlagenliteratur aus dem Dietz-Verlag ein? Die Antwort ist wahrscheinlich einfach Ratlosigkeit. Zu einer vom Bundesministerium für innerdeutsche Fragen geförderten Klassenfahrt nach West-Berlin gehörte ein Ausflug nach Ost-Berlin einfach dazu. Das führte dazu, dass nach den Überforderungen, die West-Berlin für die jugendlichen Besucher*innen bedeutete, mit Ost-Berlin eine weitere hinzukam. Fast alle hatten das Gefühl, sich nur falsch verhalten zu können, und verließen sicherheitshalber die Touristenzone rund um Unter den Linden und den Alexanderplatz nicht – ebenso wie sie sich „drüben“ nahe des Kurfürstendamms aufgehalten hatten. Verunsicherung auch darüber, was als Mitbringsel in Frage käme. Viele strandeten im „Internationalen Buch“ und griffen aus Verlegenheit zu Lenins „Was tun?“ oder dem „Kommunistischen Manifest“. Ich glaube nicht, dass viele jemals hineingeschaut haben. Ich weiß nur, dass meine Entscheidung auf den Lenin fiel. Dieses Exemplar aber stammt von einem Freund – meines war 2019 nicht auffindbar.

Mein Ost-Berlin

Wie viele Erinnerungen und Anekdoten stecken in einer Stadt? Privatpersonen, Sammler und Beschäftigte der Berliner Bezirksmuseen präsentierten in der Ausstellung oder auf dem OstBlogBerlin jeweils ein Objekt, mit dem sie eine besondere Erinnerung an Ost-Berlin verbinden. Jeden Monat kamen neue Objekte und ihre Geschichten hinzu. So entstand ein buntes, facettenreiches Bild der Stadt – eine im Laufe der Ausstellung gewachsene Collage an Erinnerungen.