Mein Ost-Berlin: Autoanmeldungen

Vormerkbestätigung für einen gebrauchten PKW
Vormerkbestätigung für einen gebrauchten PKW © & Foto: Jörg Elsner

Mit 20 Jahren bin ich stolzer Besitzer eines IFA F8 geworden. Über Beziehungen war ich an das Auto gekommen, das bis 1955 vom Industrieverband Fahrzeugbau der DDR bis 1955 produziert wurde. Es war zu dem Zeitpunkt genauso alt wie ich. Die Wartezeit für einen neuen Trabanten betrug in Ost-Berlin zehneinhalb Jahre, im Rest der Republik noch mehr. Nachdem ich mich mit 18 Jahren angemeldet hatte, konnte ich den Trabi nach unglaublichen neun Jahren bereits abholen. Die „schnelle“ Bearbeitung hatte ich durch permanente Rückfragen bewirkt. Es ist also nicht verwunderlich, dass nicht nur der Gebrauchtwagenhandel blühte, sondern auch Anmeldungen mit geringer Wartezeit auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. Auch meine Frau und ich meldeten uns für alle möglichen Pkw-Typen an: Wartburg, Pkw- und sogar einen Wohnwagenanhänger. Ersatzteile waren ebenfalls nicht einfach zu haben. Am besten funktionierte es, eine Kupplung gegen ein anderes Teil, wie zum Beispiel einen Kotflügel, zu tauschen. Mit Westgeld und guten Beziehungen klappte es noch besser. Übrigens: Bei einem Unfall erhielt man von der Versicherung zwar Geld (Mark der DDR), jedoch keinen Anspruch auf einen Neu- oder Ersatzwagen beziehungsweise Ersatzteile, die ebenfalls knapp waren. So fing das Spiel von vorne an.

Erstes Auto von Jörg Elsner, das er über Beziehungen erworben hat
Erstes Auto von Jörg Elsner, das er über Beziehungen erworben hat © Jörg Elsner

Mein Ost-Berlin

Wie viele Erinnerungen und Anekdoten stecken in einer Stadt? Privatpersonen, Sammler und Beschäftigte der Berliner Bezirksmuseen präsentierten in der Ausstellung oder auf dem OstBlogBerlin jeweils ein Objekt, mit dem sie eine besondere Erinnerung an Ost-Berlin verbinden. Jeden Monat kamen neue Objekte und ihre Geschichten hinzu. So entstand ein buntes, facettenreiches Bild der Stadt – eine im Laufe der Ausstellung gewachsene Collage an Erinnerungen.