Mein Ost-Berlin: Architekturführer und Kamera

Daniel Stemmrich, sein Architekturführer und seine Kamera, mit denen er in Ost-Berlin unterwegs wDaniel Stemmrich, sein Architekturführer und seine Kamera, mit denen er in Ost-Berlin unterwegs war
Daniel Stemmrich, sein Architekturführer und seine Kamera, mit denen er in Ost-Berlin unterwegs war © & Foto: Daniel Stemmrich

Im Sommer 1976 oder 1977 war ich mehrere Wochen mit einem Freund in Berlin unterwegs. Wir studierten Kunstgeschichte in Bochum und besuchten beide Teile der Stadt – West wie Ost – um uns die Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts anzusehen. Immer mit im Gepäck hatte ich meinen Architekturführer und meine Kamera. An einem Tag besuchten wir den Palast der Republik. Da er zu diesem Zeitpunkt noch sehr neu und zudem eines der bekanntesten Gebäude in Ost-Berlin war, wollten wir ihn uns unbedingt ansehen. Als wir vor dem Gebäude standen, das ich damals als protzig wahrnahm, machte ich einige Fotos. Anschließend gingen wir in einem der drei Restaurants essen. Dort angekommen, fanden wir uns am Ende einer ziemlich langen Schlange wieder. Alle warteten darauf, einen Platz zu bekommen, darunter auch eine Hochzeitsgesellschaft. Wir überlegten, ob wir warten oder hungrig wieder abschieben sollten, entschieden uns dann aber für’s Warten.

Zwischendurch kam ein Kellner an die Tür und sprach kurz mit den Wartenden, verschwand dann aber wieder im Restaurant. Nach wenigen Minuten lief er die ganze Reihe entlang zu meinem Freund und mir und bat uns hinein. Wir wussten nicht, wie uns geschah, folgten ihm aber. Ich schämte mich schrecklich für diese Vorzugsbehandlung und ärger mich noch immer, sie nicht abgelehnt zu haben. Den Grund dafür kenne ich bis heute nicht. Als wir schließlich an unserem Platz saßen, aßen wir so teuer wie möglich, um unseren Zwangsumtausch loszuwerden. Als Nachtisch gönnte ich mir schließlich noch einen Eisbecher, mein Freund verzichtete. Etwa zwei Stunden später aber bekam ich plötzlich furchtbare Magenkrämpfe, die uns zwangen, unsere Exkursion durch Ost-Berlin abzubrechen.

Mein Ost-Berlin

Wie viele Erinnerungen und Anekdoten stecken in einer Stadt? Privatpersonen, Sammler und Beschäftigte der Berliner Bezirksmuseen präsentieren in der Ausstellung und im OstBlogBerlin jeweils ein Objekt, mit dem sie eine besondere Erinnerung an Ost-Berlin verbinden. Jeden Monat kamen neue Objekte und ihre Geschichten hinzu. So entstand ein buntes, facettenreiches Bild der Stadt – eine im Laufe der Ausstellung gewachsene Collage an Erinnerungen.