Feiern, damals und dort – der berühmte „Knaack-Klub“

Auf den Spuren einer verschwundenen Legende.

Außenansicht des Jugendklubs „Ernst Knaack“, um 1976
Außenansicht des Jugendklubs „Ernst Knaack“, um 1976 © Archiv des Museums Pankow

Der Ernst-Knaack-Klub ist einer der ältesten und bekanntesten Jugendklubs in Berlin-Prenzlauer Berg. 1952 eröffnet in der Greifswalder Straße 224 in Ost-Berlin das Ernst-Knaack-Jugendheim auf der Fläche einer ehemaligen Schneiderei für Herrenoberbekleidung und Uniformen. Benannt wird das Jugendheim nach dem Widerstandskämpfer Ernst Knaack.

Anfangs steht das Motto „Sport und Spiel“ im Mittelpunkt. Darüber hinaus gibt es im Winter schon einzelne Tanzveranstaltungen. Zu den „Weltfestspielen der Jugend und Studenten“ 1973 entsteht zusätzlich zum Jugendheim eine Diskothek, in der sogenannte „Beatkapellen“ auftreten. Der Jugendklub wird durch den staatlichen Einfluss der DDR geprägt und durch den Jugendverband Freie Deutsche Jugend (FDJ) geleitet. Zur Wendezeit erlebt der Klub eine starke westliche Prägung. Es entsteht eine erweiterte Diskothek mit drei Tanzflächen.

Der Klub in den Ost-Berliner Zeitungen

Während der DDR-Zeit genießt der Knaack-Klub eine gewisse Bekanntheit, sodass er sogar gelegentlich in den Ost-Berliner Medien auftaucht. Dort äußern sich dann sowohl Besucher als auch Vorsitzende des Klubs, um einerseits ihre Wünsche und Ansichten und andererseits ihre Vorhaben und Neuerungen offenzulegen.
So beschwert sich zum Beispiel im Februar 1973 ein unzufriedener Besucher über das Angebot und die Leitung des Klubs. Ein Leser schreibt in einer Diskussion der Berliner Zeitung, dass das Interesse der Besucher und Besucherinnen nicht umgesetzt werde und verloren gehe. Außerdem klagt dieser, dass beim Knaack-Klub nicht mehr die Rede von Niveau sein könne, da ein Jugendklub wie ein zweites Zuhause sein solle – sauber und gemütlich. Weiterhin äußert er das generell bestehende Verlangen nach informativer Unterhaltung wie Vortragsreihen.

Im darauffolgenden Monat erhält der Leser von einem der ehemaligen Klubleiter, Wolfgang Dahlke, eine Antwort. Darin berichtet dieser über das anstehende Umbauprojekt und die kommende Erweiterung des Angebots. Zuerst beschreibt er, dass bis Ende des Monats April 1973 die Tanzfläche erweitert werden solle, sodass 30 bis 40 weitere Menschen Platz haben könnten. Bei diesem Umbau würden auch viele junge engagierte Besucher helfen. Um jedoch das Klubleben inhaltlich noch niveauvoller und vielfältiger zu gestalten, habe man in Zukunft geplant, noch enger mit der FDJ im VEB zusammenzuarbeiten, um „Treff-Modelle“ für den Klub zu erstellen. Das Angebot solle um Arbeitsgemeinschaften, Vortragsabende mit der Urania, Kooperationen mit Zeitschriften wie der Sybille und Schülertanznachmittage erweitert werden. Generell wolle man das Programm mehr auf verschiedene Altersgruppen abstimmen, so der Leiter.

Darüber hinaus stellt Gerd Mildenberger im Gespräch mit Wolfgang Schüler im Mai 1984 in der Berliner Zeitung eine Neuerung des Klubs vor. Denn seit 1984 ist der „Ernst-Knaack-Klub“ Mitglied im Jugendklubzentrum der FDJ. Das Jugendklubzentrum ist ein Ansprechpartner für Klubleiter, bei dem sie Hilfe und Unterstützung für die Leitung der Klubs bekommen. In Zusammenarbeit des Ernst-Knaack-Klub mit dem Jugendklubzentrum entsteht dann zum Beispiel die Veranstaltung „Kunst und Schwoof im Hinterhof“.

Jugendliche diskutieren im Jugendklub, um 1977
Jugendliche diskutieren im Jugendklub, um 1977 © Archiv des Museums Pankow

Anfang der 1990er Jahre erlebt der Ernst-Knaack-Klub einige Veränderungen, wie zum Beispiel einen Ausbau und einen Programmwechsel. Außerdem spricht man in dieser Zeit nur noch vom Knaack-Klub.

In einem Zeitungsartikel der Berliner Zeitung vom April 1990 beschreiben Lutz Presch und Thomas Meitzer den Wandel. Primär ist der Knaack-Klub nun ein Kulturbetrieb oder auch eine „Oase der linksalternativen Szene Ostberlin“. Außerdem sei er „mehr als ein reines Veranstaltungshaus“ und überaus spannend für „Kamerateams und Journalistenschwärme“, denn gerade aus westlicher Sicht ist er ein ausgefallener Kulturbetrieb. Weiterhin habe sich der Klub im Januar finanziell unabhängig gemacht, indem er auf Honorarzahlungen und Mittel für technische Instandhaltung verzichte und diese Gelder seither einer Kindereinrichtung zuschreibe.

Plakatwand mit Plakaten der Gruppe „The Inchtabokatables“. Die Weihnachts-Show des „Knaack-Klub“, 1993
Plakate der Gruppe „The Inchtabokatables“. Die Weihnachts-Show des „Knaack-Klub“, 1993 © Archiv des Museums Pankow

Die Nachwendezeit im Knaack-Klub

In einem Interview mit dem Zeitzeugen Dr. Hanno Hochmuth im Mai 2018 konnte ich noch einige Erfahrungen und Erlebnisse im Knaack-Klub während der Nachwendezeit erfragen.

Hanno Hochmuth besucht den Knaack-Klub als Oberschüler der Camille-Claudel-Schule Mitte der 1990er Jahre. Er beschreibt den Klub als einen studentischen Klub mit einer breiten Altersspanne, der sowohl Oberschüler als auch Studierende und ältere Besucher anlockt. Der junge Hanno besucht den Klub meistens mit seinen Mitschülern, unter denen einige noch nicht volljährig sind. Doch eigentlich darf man den Klub erst mit 18 Jahren besuchen. Aus diesem Grund besteht jedes Mal die Hürde, die gesamte Gruppe in den Klub zu bringen, und so schickt man die jüngeren Schüler voran und erhofft sich, dass diese nicht nach ihrem Ausweis gefragt werden. Ansonsten ist der Knaack-Klub, seiner Ansicht nach, ein sehr bodenständiger Klub. Lediglich die Altersfrage verwehrt jüngeren Schülern den Eintritt, der in der Regel fünf Mark beträgt. Um jedoch dafür zu sorgen, dass der Klub schon am früheren Abend gefüllt ist, gibt es einen Preisnachlass vor 23 Uhr sowie Getränke-Bons.

Der Klub besteht aus drei verschiedenen Tanzflächen. Im zweiten Stock wird vor allem „gut tanzbare“ Mainstream-Musik wie die „Red Hot Chili Peppers“ und ähnliches gespielt. Im Erdgeschoss finden an Samstagen bis 23 Uhr Konzerte statt und anschließend erklingt Disko-Musik der 1970er Jahre wie „BJ“ und „ABBA“. Im Keller gibt es die sogenannte „Darmwäsche“, in der „harte und dröhnende“ Musik gespielt wird. Weiterhin spricht Hanno Hochmuth davon, dass der ehemalige FDJ-Charakter des Jugendklubs bei seinen Besuchen nicht mehr spürbar gewesen sei. Außerdem ist der Knaack-Klub kein Elektro-Klub wie die meisten anderen Klubs zu dieser Zeit. Für Oberschüler sei er jedoch eine besondere Attraktion auf der Greifswalder Straße. Denn neben dem Klub Würfel und der Wabe steche der Knaack-Klub definitiv heraus, so Hanno Hochmuth.


Der Autor Vincent ist Schüler der 12. Klasse am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium in Berlin und nahm am Kooperationsprojekt „Greifswalder Straße“ teil.

Quellen