Eine kurze Geschichte vom Café Sibylle

Eine Neonreklame, die Aufmerksamkeit erregt.

Ansicht des Café Sibylle in der Berliner Karl-Marx-Alee
Das Café Sibylle in der Berliner Karl-Marx-Alee, 15.09.2009, © Angela M. Arnold, Berlin [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) | Foto: Angela M. Arnold

Fahre ich mit dem Rad über die große Karl-Marx-Allee im ehemaligen Ost-Berliner Stadtteil Friedrichshain, finde ich kaum noch Geschäfte, die an die Historie des Ortes erinnern. Aber eine alte Neonreklame aus den 1960er Jahren erregt jedes Mal meine Aufmerksamkeit. Der Schriftzug des Café Sibylle erinnert noch heute an die vergangenen Zeiten, als die Karl-Marx-Allee als Prachtstraße in Ost-Berlin bekannt war und voller Leben steckte.

Das ehemalige DDR-Kult-Café Sibylle wurde 1953 unter dem Namen Milchtrinkhalle eröffnet und führte seinen Betrieb bis April 2018 fast durchgehend. Nach der Wende schloss es kurzzeitig, wurde jedoch zur Jahrtausendwende wiedereröffnet. Zusätzlich zu dem Café-Betrieb wurde ab diesem Zeitpunkt eine historische Ausstellung zur Karl-Marx-Allee in dem Café gezeigt. Das Café Sibylle und der dazugehörige Schriftzug stellen für mich einen der Orte in der Karl-Marx-Allee dar, die noch an die DDR erinnern. Dabei geht es jedoch nicht um Ostalgie, sondern vielmehr um die „Erhaltung einer Kultur und Lebensweise“ , wie der Landeskonservator Jörg Haspels in einem Interview mit der Berliner Morgenpost betonte.

Zu DDR-Zeiten galt das Café als zentrale Adresse und war gut besucht. Die Bewohner*innen der angrenzenden Nachbarschaft trafen sich in dem damaligen Eiscafé und tauschten sich dort aus. Nach der Namensänderung in den 1960er Jahren – angelehnt an die in der DDR beliebte Frauenzeitschrift ‚Sibylle’ – trafen sich dort auch angeblich die Redakteur*innen, Models und Fotograf*innen der Zeitschrift.
Die Karl-Marx-Allee galt als Aushängeschild der DDR. Dies betraf sowohl die Architektur als auch die angebotenen Waren in den Geschäften auf der Straße. Somit war auch das Café Sibylle ein besonderer und exklusiver Ort. Nach rund 65 Jahren musste das Café am historischen Standort schließen, da der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Mittlerweile ist das Café wieder offen und wird von einem neuen Pächter betrieben.