„Die Greifswalder Straße ist für mich Leben.“

Zu Besuch bei Jörg Erchinger in der Erchinger Fleisch- und Wurstmanufaktur, Greifswalder Straße 205.

Die Fliesen im Ladengeschäft der Fleischerei stammen noch aus der DDR
Die Fliesen im Ladengeschäft der Fleischerei stammen noch aus der DDR © Stadtmuseum Berlin | Foto: Schüler

Es sind Sommerferien. Samstag, der 14. Juli 2018. Ich bin auf dem Weg zur Erchinger Fleisch- und Wurstmanufaktur in der Greifswalder Straße 205. Ich bin früher da als Jörg Erchinger, der noch auf dem Rückweg von einem der Samstagsmärkte ist, auf denen die Fleischerei ihre Stände betreibt. Ich habe Zeit, mich umzuschauen.
Im Geschäft hängen einige Zertifikate und Preise, die den guten Ruf der Fleischerei unterstreichen. In der Theke liegen Fleisch und traditionelle deutsche, ausschließlich handgemachte Wurstwaren aus. Neben der Theke gibt es ein kleines Regal, in dem die Kundschaft zum Beispiel Sauerkraut- und Rotkohl-Konserven findet. Es ist ein schöner, alter Ladenraum, noch im „Originalzustand“ aus der Geschäftszeit der Familie Gerlach. Denn bevor die Fleischerei 2013 von Jörg Erchinger übernommen wird, gehört sie Herrn Gerlach. Vor dem Einzug der Fleischerei Gerlach 1971 befindet sich in den Geschäftsräumen eine Konsum-Filiale.

Der Fleischermeister Jörg Erchinger – aufgewachsen in Berlin-Friedrichshain – betritt den Laden. Ein großer Mann mit sehr tiefer Stimme, der allen im Laden sehr freundlich begegnet. Er begrüßt seine Angestellten und verschwindet noch einmal kurz im Hinterraum des Ladens. Das Arbeitsklima wirkt sehr familiär und entspannt.
Als wir oben in Herrn Erchingers Büro sind, erzählt er mir, dass er seit Oktober 2000 in der Fleischerei arbeitet und zunächst in der Fleischerei Gerlach angestellt war. Seine Ausbildung absolviert er jedoch schon viel früher. Nach einer kurzen Zeit beim Militär und dem Abschluss als Fleischermeister arbeitet Herr Erchinger in einigen Supermärkten. Da wird seiner Meinung nach jedoch viel „Schindluder“ getrieben, sodass ihm sein Beruf als Fleischer dort zunehmend unangenehm wird. Erst mit der Einstellung bei Gerlachs „verliebt“ sich Jörg Erchinger erneut in das Handwerk. Es ist ihm wichtig, ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen zu zaubern, um zu wissen, dass seine Arbeit wertgeschätzt wird. Es geht ihm um die Liebe zum Beruf und die Zufriedenheit seiner Kundschaft. Und so fängt er noch gemeinsam mit Herrn Gerlach an, Lehrlinge aufzunehmen, um seine Idee zu verbreiten.

Heute fühlt er sich in seiner Fleischerei – genauso wie seine Kolleginnen und Kollegen – zu Hause. Jörg Erchinger möchte eine neue Generation von Fleischern. Keine einsame Arbeit hinter großen Einzelhandelsketten, er möchte eine Generation heranwachsen sehen, die ihren Beruf liebt.
Ich frage ihn, was die Greifswalder Straße für ihn bedeutet. Er antwortet: „Leben“.

Der Autor Emilio ist Schüler der 12. Klasse am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium in Berlin und nahm am Kooperationsprojekt „Greifswalder Straße“ teil.