Die Aufnahme läuft!

Zwei Frauen unterhalten sich in großem Raum
Blick hinter die Kulissen © Florentine Schmidtmann

Für den Raum „Mein Ost-Berlin“ haben wir die Berliner Bezirksmuseen gebeten, nach Objekten mit Ost-Berlin-Bezug in ihren Sammlungen zu suchen. Gefunden haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirksmuseen – von Reinickendorf über Marzahn bis hin zu Treptow und Spandau – viele verschiedene Objekte.
Dazu gehören etwa selbstgefertigte Punk-Buttons, Garderobenmarken eines Kreiskulturhauses, Goldene Hausnummern, ein Hinweisschild des ehemals im Todesstreifen gelegenen Sophienfriedhofs oder eine Sammlung Ost-Berliner Souvenirs, die von Cocktailspießen im Design des Fernsehturms bis hin zu übergroßen kuscheligen Berliner (Teddy-)Bären reicht.

Doch wieso wurden diese Dinge aufgehoben und gesammelt? Welche Geschichte hat die selbstgenähte Herrenjacke aus dem Museum Pankow? Wie kam eine Uniform der DDR-Fluggesellschaft Interflug nach Reinickendorf? Und was haben eine Scherbe und der Kopf der ehemaligen Lenin-Statue vom heutigen Friedrichshainer Platz der Vereinten Nationen mit der Zitadelle Spandau zu tun?
In der Ausstellung werden diese Objekte zusammen mit ihren Geschichten ausgestellt und erzählt. Zusätzlich wird es kurze Videoclips zu einigen Objekten geben, die auch hier im Blog gezeigt werden. Von einem solchen Videodreh erzähle ich jetzt in einer kleinen Vorschau:

Es ist Mitte Juli 2018. Heute drehen wir ein Video über eine Leihgabe des Museums Schöneberg für die Ausstellung Ost-Berlin. Schwer bepackt mit Kamera, Stativ und Mikro erreichen mein Kollege Daniel Bosch und ich das Bezirksmuseum Tempelhof-Schöneberg. Wir treffen die pädagogische Leiterin Ellen Roters und die Zeitzeugin Roswitha Baumeister. Mit dabei ist der Diaprojektor Malisix, der heute im Vordergrund stehen soll. Zusammen überlegen wir, welcher Hintergrund für den Dreh gut geeignet wäre und entscheiden uns für den kleinen „Kaufmannsladen“ im Projekt- und Ausstellungsraum. Die künstlerisch gestaltete Theke lässt die Gesprächssituation der beiden Protagonistinnen zum einen professionell erscheinen, quasi wie bei den Tagesthemen, zum anderen ist der Diaprojektor ebenfalls im Bild. Während Roswitha Baumeister den Diaprojektor aus der Tasche packt, kommen Ellen Roters und sie sofort ins Gespräch.

Drei Personen vor Drehkulisse, eine davon filmt
Der Videodreh in den Projekträumen des Bezirksmuseums Schöneberg © Florentine Schmidtmann

Die Schönberger Künstlerin und Aktivistin hatte den in den 1980er Jahren legendären Frauen-/Lesben-Aktionsraum Pelze Multimedia in der Potsdamer Straße mit Licht- und Schatten bespielt. Über Kolleginnen kam die „Frau des Lichts“, wie sie in der Szene genannt wurde, an den Malisix-Projektor, der ursprünglich aus der DDR stammt und beim VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig hergestellt wurde. Das erste Mal im Einsatz war er am 10. November 1989, nur einen Tag nach dem Mauerfall, bei einer Performance zur BERLINERINNENSTADT am Schöneberger Rathaus. An diese aufregende Zeit des Umbruchs erinnert sie sich gut: „Für mich war Berlin West-Berlin. Und jetzt habe ich auf einmal festgestellt: Oh, das ist ja Berlin! Die Wendezeit, bedeutete ja auch für mich als Stadtstreicherin: jetzt schaue ich mir mal richtig das Berlin an“.

So kam es auch, dass Roswitha Baumeister zur Walpurgisnacht am 30. April 1990 ihre Scherenschnitte auf die Fassade des Wasserturms im Prenzlauer Berg projizierte. Als Motive verwendet sie bis heute weibliche Figuren, mit der sie die Sichtbarkeit der Frauen im Stadtraum betonen will. Mit dem dort ansässigen Künstlerinnenkollektiv Cnemidophorus Uniparens aus der Knaackstraße entwickelte sich im Anschluss ein kreativer und lebendiger Austausch. Sie erinnert sich: „Es war anders als im Westen, aber wir fühlten uns doch als Schwestern im Geiste. Und so kam es zu einem Hin und Her zwischen Ost und West, und ich hatte meinen Projektor dabei.“

Zwei Frauen unterhalten sich vor laufender Kamera
Ellen Roters und Roswitha Baumeister sind bei laufender Kamera ganz im Gespräch vertieft © Florentine Schmidtmann

Die beiden Protagonistinnen sind am Ende so in das Gespräch vertieft, dass sie fast die Kamera vergessen. Jetzt wird noch ein Polaroid-Foto für die Ausstellungsvitrine geschossen. Nach fast drei Stunden sind wir fertig mit dem Dreh. Nun werden wir das Material sichten und die besten Aufnahmen zu einem kurzen Videoclip zusammenschneiden, der dann bald in der Ausstellung wie auch im Blog zu sehen sein wird.

Für die Ausstellung „DiverseCITY“, die im Rahmen von „All Included! Museen und Schulen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ im Jugendmuseum Schöneberg von Januar bis Oktober 2019 zu sehen ist, hat Roswitha Baumeister weitere Geschichten und Erinnerungen geteilt.