Das letzte Stück Ost-Berlin im Herzen von Prenzlauer Berg?

Kneipe von Willy Bresch im Wohnhaus Greifswalder Str. 47/Dimitroffstr., um 1980
Kneipe von Willy Bresch im Wohnhaus Greifswalder Str. 47/Dimitroffstr., um 1980 © Archiv des Museums Pankow

Die Eckkneipe Willy Bresch eröffnet 1966 in der Greifswalder Straße 47 an der Ecke Dimitroffstraße (heutige Danziger Straße) und trägt den Namen des ersten Inhabers. Willy Bresch ist in der Provinz Posen im heutigen Polen geboren und kommt nach dem Ersten Weltkrieg mit seiner Familie nach Berlin. Sein Enkel, der heutige Besitzer André Voigt, steigt 1987 in das Geschäft ein. Er erfährt in den 1990er Jahren hautnah, welche Schwierigkeiten der Mauerfall für Gewerbetreibende im ehemaligen Ost-Berlin mit sich bringt. Plötzlich sind viele der Stammgäste ohne Arbeit. Das Familienunternehmen schafft es, die schwierigen Jahre zu überdauern und befindet sich noch heute in dritter Generation an Ort und Stelle.

Eingang zur Kneipe von Willy Bresch im Wohnhaus Greifswalder Str. 47/Dimitroffstr., um 1980 © Archiv des Museums Pankow
Relief der Stadt Greifswald über dem heutigen Eingang © Stadtmuseum Berlin | Foto: Schüler

Das immer gut besuchte Willy Bresch ist heute eine Rarität im Prenzlauer Berg. Die Bar ist eine der letzten überlebenden Alt-Berliner Eckkneipen und bietet deswegen ein ganz besonderes Flair. In der Kultkneipe können bei Bier und anderen alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken alteingesessene und neue Berliner in Kontakt kommen – und das alles zu moderaten Preisen.

Ich hatte die Möglichkeit, mit dem Betreiber der Kneipe und Enkel Willy Breschs, André Voigt, zu sprechen.

Herr Voigt, was verbinden Sie mit der Greifswalder Straße?
„Ja also ich bin ja hier in Prenzlauer Berg aufgewachsen und das ist ein Stück Heimat für mich. Ich arbeite ja hier auch schon seit 1987."

Wie war das Publikum in der DDR?
„Na also früher war das ja hier eine reine Arbeiterkneipe gewesen, zum Beispiel viele Handwerker und Maurer. In den 90er Jahren ist dann hier die große Arbeitslosigkeit eingekehrt. Da waren hier flaue Zeiten angesagt, zwei Drittel der Kunden waren arbeitslos und konnten sich dementsprechend wenig leisten.“

Kommt heutzutage auch noch alteingesessene Stammkundschaft in Ihre Kneipe oder sind es mehr zugezogene Berliner?
„Teils teils würde ich sagen. Es kommen immer noch Kunden, die hier aus diesem Kiez stammen, aber die Leute, die hier hinzuziehen, werden schon langsam mehr, weil ältere Leute, Leute die finanziell nicht so gut gestellt sind, verdrängt werden. Das große Wort ist hier Gentrifizierung. Wobei die neuen Leute, die hier hinzugekommen sind, auch nette und gute Leute sind.“

Die meisten Geschäfte in der Greifswalder Straße haben die DDR nicht überdauert. Wie hat Ihre Kneipe die DDR überlebt?
„Naja mit einer gewissen Hartnäckigkeit, selbst wenn die Zeiten nicht so gut waren. Man sagt ja so schön, ‚die Hoffnung stirbt zuletzt‘ und so war es bei uns eben auch.“

Und wie sieht die Zukunft der Kneipe aus?
„Ich bin der Letzte meiner Familie, der diese Kneipe betreibt. Meine Tochter lernt etwas ‚Vernünftiges‘.“

Werbung an der Kneipe von Willy Bresch im Wohnhaus Greifswalder Str. 47/Dimitroffstr., um 1980 © Archiv des Museums Pankow
Die heutige Außenreklame der Kneipe © Stadtmuseum Berlin | Foto: Schüler

Was ist eigentlich der Einzelhandelsverkaufspreis?

Bei meinen Recherchen stieß ich auch auf den sogenannten Einzelhandelsverkaufspreis. Der Einzelhandelsverkaufspreis (kurz: EVP) ist in der DDR der staatlich festgelegte Preis für ein bestimmtes Produkt. In der DDR gelten diese Preise landesweit. Die Preisfestsetzung erfolgt im Wesentlichen unter Berücksichtigung der Herstellungskosten durch das Amt für Preise beim Ministerrat. Die Preise werden im Statistischen Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik exemplarisch publiziert. Sie gelten auch bei Willy Bresch:

Berliner Pilsator (0,25 l) 0,63 M
Weißwein (0,2 l) 1,79 M
Rotwein (0,2 l) 1,83 M
Club Cola (0,2 l) 0,45 M
Doppelkorn (4 cl) 1,50 M


Der Autor Paul ist Schüler der 12. Klasse am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium in Berlin und nahm am Kooperationsprojekt „Greifswalder Straße“ teil.