Ausstellungstipp: DDR Museum

Geschichte zum Anfassen

Eingang DDR Museum
Eingang DDR Museum © DDR Museum, Berlin 2017

Seit über 28 Jahren sind Ost- und West-Berlin wieder vereint. Vielen Menschen sind die Erinnerungen an die Zeit vor 1990 aber noch sehr präsent. Für mich als Vertreter der „Generation Nachwende“, zudem noch aus dem tiefsten Südwesten der Bundesrepublik, ist die ehemalige „Hauptstadt der DDR“ jedoch eine längst vergangene und fremde Welt. Aus diesem Grund freue ich mich über jede Ausstellung, die mir tiefere Einblicke in den Alltag und die Lebenswelten Ost-Berlins geben kann. Die Möglichkeiten dafür sind groß. Denn die DDR wurde nach 1989/90 zu einem festen Bestandteil der Museums- und Gedenkstättenlandschaft, vor allem auch in Berlin. Darum stellt sich mir die Frage: Findet sich in den Ausstellungen auch etwas, das uns von der „halben Hauptstadt“ erzählen kann?

Meine Suche nach der Antwort beginnt im Herzen Berlins. Unweit des Berliner Doms, der Museumsinsel sowie des Alexanderplatzes, mitten im Touristen-Hotspot schlechthin, liegt das 2006 eröffnete DDR Museum. Über einen kleinen Eingang direkt an der Spree betrete ich das Haus und starte meine Reise nach Ost-Berlin.
Das DDR Museum bietet seinen Besucherinnen und Besuchern ein vielfältiges Angebot. Anhand zahlloser Objekte und aufwendig gestalteter Rauminszenierungen versucht die Dauerausstellung, den DDR-Alltag anschaulich und erfahrbar zu machen. Interaktion ist dabei ein tragendes Element, stets nach dem Motto: Bitte anfassen und mitmachen!

Sofort fällt mir ein hell lackierter Trabi ins Auge, der von einer großen Menschenmenge umringt wird. Das Interesse der Schaulustigen gilt aber nicht etwa dem schicken Retro-Design des Kult-Gefährts, sondern dem, was sich in seinem Inneren abspielt. Denn dort dürfen sich die Besucherinnen und Besucher hinter das Lenkrad der „Rennpappe“ klemmen und mit knatterndem Motor durch die Straßen düsen – virtuell, versteht sich. Auf der zu einem Bildschirm umfunktionierten Frontscheibe ziehen sie an grauen Plattenbauten vorbei über menschenleere Straßen. Die Kulisse ist frei erfunden, doch die Assoziationen mit Marzahn und Hellersdorf lassen nicht lange auf sich warten.

Besucherin und Besucher beim Testen der Trabi-Fahrsimulation
Besucherin und Besucher beim Testen der Trabi-Fahrsimulation © DDR Museum, Berlin 2017

Nach dem (n)ostalgischen Fahrvergnügen kommt das Thema Wohnen an die Reihe, und zwar im Nachbau einer – was die Größendimension betrifft, etwas optimistisch gestalteten – Plattenbauwohnung. Dort mache ich es mir auf einem Sofa bequem, verfolge originale Ausschnitte aus den DDR-Nachrichten und kleide mich anschließend im Schlafzimmer in einem digitalen Spiegel „modisch“ ein. All diese Spielereien sind unterhaltsam und vermitteln mir einen Eindruck vom Leben in der Plattenbauwohnung, das auch zum Alltag in Ost-Berlin gehörte.

Blick in den Flur einer nachgestellten Plattenbauwohnung
Blick in den Flur einer nachgestellten Plattenbauwohnung © DDR Museum, Berlin 2017

Schließlich bleibe ich auf meinem weiteren Weg durch die Ausstellung vor einem sehr anschaulichen Modell von dem Symbol der Teilung Berlins stehen: der Mauer und ihrer Grenzanlagen, die aus dem Alltagsleben in Ost-Berlin nicht wegzudenken sind. Allemal sehenswert! In Gedanken noch bei dem Modell, übersehe ich beinahe, was sich auf dem Boden unter meinen Füßen offenbart: ein Stadtplan von Ost-Berlin! Doch damit nicht genug: Durch einen Perspektivwechsel ändern sich die Namen der Straßen und Plätze auf dem Plan. Aus den ehemaligen, sozialistisch geprägten werden die uns heute bekannten und umgekehrt. Auf diese Weise lässt sich auf sehr anschauliche Art und Weise die Politisierung des Stadtraums in Ost-Berlin nachempfinden.

Modell der Berliner Mauer und ihrer Grenzanlagen
Modell der Berliner Mauer und ihrer Grenzanlagen © DDR Museum, Berlin 2017

Nach meinem Besuch im DDR Museum setze ich mich erschöpft in die Bahn und ziehe mein Resümee: In der Dauerausstellung lassen sich durchaus Bezüge zu Ost-Berlin finden. Vielleicht lässt mich mein nächster Museumsbesuch ja noch tiefer in den Alltag der „Hauptstadt der DDR“ eintauchen – das Ziel steht bereits fest.

DDR Museum, Karl-Liebknecht-Straße 1, 10178 Berlin, weitere Informationen unter: www.ddr-museum.de