Aufruf: „Vati fehlt – er muss knipsen“

Auf der Suche nach privaten Fotoalben aus Ost-Berlin, der DDR und der Zeit nach 1990

Fotoalbum aus der frühen DDR
Fotoalbum aus der frühen DDR © & Foto: Sandra Starke

Nicht nur die offiziellen Bildwelten aus der DDR-Presse und die sozialdokumentarische, meist schwarz-weiße Autorenfotografie prägen die Erinnerungen an die DDR und an das Leben in der DDR bis heute. Private Fotografien spiegeln mit ihrer individuellen Sicht oft viel stärker die unterschiedlichen Lebensgeschichten der Menschen in der DDR und deren Erfahrungen mit den Umbrüchen nach 1989/90 wider als die bekannten Bilder. In der Regel werden diese privaten Bilder – oft chronologisch eingeklebt in Fotoalben – nur in den Familien- und Freundeskreisen gezeigt und weitergegeben.

In den Alben begegnet man Bildern von Brigadeausflügen, Pionierlagern, Auszeichnungen und Fahnenappellen oder der jährlichen Demonstration am 1. Mai. Aber zum großen Teil auch ganz privaten Szenen von Ausflügen, Sommervergnügen und Geburtstagsfeiern, wie sie sehr ähnlich auch in Westdeutschland zu dieser Zeit fotografiert wurden.

Foto einer Frau in einem Zug, Sammlung Sandra Starke, Fotoalbum E. H., 1960er Jahre
Foto einer Frau in einem Zug, Sammlung Sandra Starke, Fotoalbum E. H., 1960er Jahre | Foto: unbekannt

Als Fotohistorikerin interessieren mich diese privaten Bildwelten in meiner Forschung. Am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, das auch gemeinsam mit dem Stadtmuseum Berlin die Ausstellung Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt konzipiert hat, arbeite ich an einer Studie zum Thema der privaten Fotoalben in der DDR und in Ostdeutschland. Dafür suche ich noch Bilder und Fotoalben aus der Zeit um 1970 bis 1993. Mich interessiert, wie im privaten Rahmen fotografiert wurde und welche Bedingungen die „Knipser“ in der DDR vorfanden. Wie DDR-spezifisch sind solche privaten Fotoalben wirklich? Wo verlief die Grenze zwischen dem privaten und dem öffentlichen Leben?

Das Projekt zu DDR-Fotoalben findet in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Stadtmuseums Berlin statt. Es besteht auch die Möglichkeit, Alben oder Digitalisate langfristig zu sichern.

Kontakt:
Sandra Starke / Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Schreiben Sie an: starke@zzf-potsdam.de oder rufen Sie an (Die/Do) unter: 0331 / 28991 32