Ampelmännchen – grünes Licht mit Kultfaktor

Berlin ohne Ampelmännchen? Kaum vorstellbar. Aber woher kommen diese eigentlich und seit wann gibt es sie? Das wissen die wenigsten Bewohner*innen Berlins, weswegen sich die Autorin auf eine kurze historische Spurensuche gemacht hat.

Ampelmännchen in Berlin, 05.12.2014 © CC BY-SA 4.0 | Foto: LucasGM58
Ampelmännchen in Berlin, 05.12.2014 © CC BY-SA 4.0 | Foto: LucasGM58

Das Berliner Straßenbild wird meiner Meinung nach durch die Nutzung der etwas anderen Ampelmännchen optisch wirklich aufgewertet. Doch nicht nur wegen des ansprechenden Aussehens sollte man sich mit den Ampelmännchen einmal etwas genauer auseinandersetzen. Denn es gibt einen historischen Hintergrund für deren Nutzung im Berliner Straßenbild.

1961 schlug der Verkehrspsychologe Karl Peglau dem Verkehrsministerium der DDR vor, dass jede Verkehrsteilnehmer*innengruppe eine eigene Ampel bekommen sollte. Daher entwickelte er Zeichen für Fußgänger*innenampeln, die ein stehendes und ein gehendes Männchen darstellten. Diese Männchen erhielten die Namen „Stoppi“ (rot) und „Galoppo“ (grün). Vor allem Kinder und auch Rentner*innen ließen sich von den optisch ansprechenden Bildern in ihrem Verhalten beeinflussen.

Erst acht Jahre später, nach eingehender Prüfung durch diverse staatliche und wissenschaftliche Instanzen, wurden die neuen Zeichen in Ost-Berlin an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße eingeführt. Erst 1970 wurden sie als offizielle Fußgänger*innensignale in den Lichtsignalstandard der DDR aufgenommen. Sie wurden zu Beginn in Berlin vom VEB Leuchtenbau, danach von einer Dresdner Produktionsgenossenschaft des Handwerks und der Firma Bergner & Weiser in Pößneck produziert. Ab 1974 übernahm die Firma Schmidt KG im sächsischen Wildenfels die Produktion.

Nach der Wende wurden die Ost-Ampelmännchen nach und nach gegen das westdeutsche Ampelmännchen ausgetauscht, was jedoch innerhalb der Bevölkerung zu Protesten führte. Es wurden Initiativen zur Rettung des Ost-Ampelmännchens gegründet. Auch der Erfinder der Ampelmännchen setzte sich für deren Erhalt ein. So wurde auch die Politik auf dieses Thema aufmerksam, weshalb das Ost-Ampelmännchen in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen als zulässiges Sinnbild aufgenommen wurde. Seit 2005 werden auch in westdeutschen Städten die Zeichen eingesetzt, beispielsweise in Hückeswagen.

Das Ost-Ampelmännchen ist nach der deutschen Wiedervereinigung zum Sinnbild der Ostalgie geworden. Auch für Berlin wurde es zu einem Symbol und ist kaum mehr aus dem heutigen Straßenbild wegzudenken.